Dipavali- das Lichterfest, auch Diwali genannt

Dipavali ist das Fest der Lichter. Es wird jedes Jahr im November/Dezember zelebriert. Was bedeutet Dipavali? Dazu hat Swamni Krishnananda zu Dipavali 1973 einen Vortrag gehalten. Unten eine Übersetzung davon. Übrigens: Dipavali wird auch Divali genannt. Andere Schreibweisen sind Deepavali, Deepawali, Dipawali, Deevali, Diwali und Deewali…

Die vielen regelmäßigen, jährlichen, monatlichen und tägliche Feste nennen wir Vratas und eines dieser Feste ist das Dipavali Vrata, welches wir heute begehen.

Es gibt eine Geschichte zu diesem Fest: Einst, vor tausenden von Jahren, gab es einen Dämon namens Narakasura. Er war eine grimmige, heftige, dämonische Gewalt und niemand wagte, ihm entgegen zu treten. Er stürzte selbst die Götter im Himmel. Mutter Erde klagte: „Was für ein Wesen ist Narakasura?“. Sie weinte. Die Götter ersuchten den großen Vishnu: „Bitte rette uns vom Terror des Narakasura!“. „Zur rechten Zeit soll alles getan sein“ antwortete Vishnu.

Er brauchte viele viele Jahre, bis Vishnu handelte. Der Dämon hatte bereits viele Wesen verschlungen. Ich weiß nicht, warum Gott sich immer so viel Zeit lässt. Er nimmt sich immer sehr sehr viel Zeit um eine Sache zu tun. Er ist sehr langsam in seinem Handeln, aber sehr mächtig. Er wird einen Menschen sofort zermalmen, der sich ihm entgegen stellt – aber eben sehr langsam. Wir können nicht verstehen, warum Gott scheinbar so langsam handelt. Er ließ den Schrecken, Ravana genannt, an einer sehr langen Leine. Natürlich, Gott kam als Rama und zerstörte ihn. Aber warum zerstört er ihn nicht gleich am ersten Tag? Im Moment seiner Geburt, sofort, erledige ihn. [das Publikum lacht] Er tut so etwas nicht. Ein Dämon muss viele Menschen quälen, viele Brahmanen töten, viele Tempel zerstören, arme Mitmenschen töten, Sita entführen – dann wird Gott etwas tun, woher nicht. Das ist eine Eigentümlichkeit von Gott. Wie auch immer, wir können ihn nicht in Frage stellen [das Publikum lacht]. Wir müssen mit ihm vorlieb nehmen. Also, auch hier dauerte es sehr lange bis er sagte: „Ich werde euch retten und mich als Krishna inkarnieren“.

Der Avatara Krishna vollbrachte viele Wunder und wundervolle Taten. Eine dieser Taten war, dass er Narakasura entgegen trat.

Als König hatte Krishna viele Frauen – Rukmini, Satyabhama und andere. Satyabhama hatte einen sehr speziellen Charakter – sie war glamourös, extrovertiert, ein wenig egoistisch und durchsetzungsfähig – und damit das genaue Gegenteil von Rukmini, der Hauptfrau von Krishna. Rukmini war ruhig, milde, zurückhaltend und war nicht bestrebt sich in irgend welchen Dingen unbedingt durchzusetzen. Eines Tages brachte der Heilige Narada eine Blume aus dem Reich der Götter. Diese Blume wird Parijata genannt, sie ist weiß und außerordentlich wohlriechend. Narada brachte sie nach Dwarka, dem Palast von Krishna. Satyabhama sah sie: „Oh, was ist das? Woher habt Ihr diese Blume?“

„Sie wächst nicht in dieser Welt,“ antwortete Narada. „Sie wächst nur im Reich der Götter“. „Oh, ich muss diese Blume in meinem Garten haben!“ rief Satyabhama. Krishna hörte dies und sprach: „Was ist das für eine Torheit? Wie kannst Du so etwas fordern? Sie kommt nicht aus dieser Welt, sondern aus dem Reich der Götter. Wie kannst Du sagen: ‚Ich will sie‘? Du kannst Sie nicht besitzen!“

„Nein“, sagte sie. „Ich muss sie haben. Du musst sie holen!“. Schaut, wie Ehefrauen ihre Ehemänner drangsalieren. [Gelächter aus dem Publikum] „Du musst sie für mich holen!“ Krishna sprach: „Ich kann sie nicht holen. Die Blume ist nicht von dieser Welt. Sie ist aus dem Reich der Götter.“
„Das ist mir gleich“, sagte sie. „Du musst sie holen“.

Krishna gab nach: „Meinetwegen, ich werde es versuchen“. Was sollte er auch tun. Sie würde ihm den Schlaf rauben, wenn er nicht nachgibt. Also sprach er: „Der einzige Weg ist, in das Reich der Götter zu gehen und Indra zu fragen, ob er uns eine Sprosse des Parijata Baumes geben kann. Diese werde ich dann in Deinen Garten pflanzen“.

„In Ordnung, gehen wir. Ich werde mit Dir kommen. Wenn Indra nicht zustimmt, werde ich ihn bearbeiten,“ sprach Satyabhama. Also folgte sie Krishna in das Himmelsreich von Indra, Indraloka. Nun gibt es eine lange Geschichte über das Zusammentreffen von Indra und Krishna. Es gab ein Tauziehen und Indra weigerte sich, Krishna eine Sprosse zu geben, schließlich wurde Indra jedoch besiegt und Krishna ergriff einen Parijata Baum. „Oh, wie wundervoll!“ sprach Satyabhama und war von Freude erfüllt. Sie begannen mit der Rückkehr zum Palast. Während der Rückkehr beobachtete Krishna, dass seine Frau sehr stolz war. „Sie hat mich so drangsaliert um diesen Parijata Baum zu bekommen und nun denkt sie wegen dieses Besitzes, dass es niemanden in den drei Welten gibt, der ihr ebenbürtig ist. Ich muss ihr eine Lektion erteilen.“

Sie passierten Pragjyotishapura, das heutige Assam. Von diesem Ort wird gesagt, dass Narakasura hier geherrscht hat. Als sie gerade im Begriff waren, weiter zu ziehen, war Narakasura, dieser Ehrenmann, bereit zum Krieg. Krishna sprach zu Satyabhama: „Ich weiß nicht, wie ich Narakasura begegnen soll. Dein Parijata Baum und alles andere wird den morgigen Tag nicht erleben. Er wird uns töten.

„Nein, mach Dir keine Gedanken. Ich werde ihm entgegen treten.“ sprach Satyabhama. Sie bat Krishna den Wagen zu lenken, während sie selbst kämpfen wollte. „In Ordnung, tritt im entgegen“ stimmte Krishna zu. Jedoch griff Narakasura sie mit einer riesigen Armee von allen Seiten gleichzeitig an. Satyabhama begann zu schwitzen, denn es war unmöglich, Narakasura direkt zu bekämpfen. Sie sprach: „Ich weiß nicht, was ich tun soll! Bitte tritt Du ihm entgegen. Ich werde mit ihm nicht fertig, denn er greift mit einer großen Armee an und ich bin allein. Was soll das? Ärgerst Du mich etwa?“ Krishna sprach: „Ich habe dies erwartet. Rede nicht, sondern lenk Du den Wagen.“ So wurde Satyabhama zum Wagenlenker und Krishna tötete Narakasura.

Dies geschah am Naraka Chaturdashi, also heute, wenn die Menschen am frühen Morgen ein Ölbad nehmen. Es wird gesagt, dass Sudarshan Charkra (die heilige Waffe Vishnus bzw. Krishnas) Narakasura schlicht in Stücke geteilt hat. Das Blut Narakasuras schoss aus seinem Körper und traf die Körper von Satyabhama und Krishna. Sie waren übersäht mit Blutspritzern. Es war kurz vor Sonnenaufgang – das heißt, die Zeit wo heute der Mond aufgeht. Daher nahmen Krishna und Satyabhama ein Ölbad – oder vielleicht eher eines in heißem Wasser [Gelächter aus dem Publikum]. Möglicherweise – sogar recht wahrscheinlich – denn das Blut und andere Dinge müssen ausgewaschen werden. Ich weiß nicht, ob sie Seife verwendet haben [Gelächter aus dem Publikum]. Wenigstens heißes Wasser müssen sie verwendet haben. Also, Krishna und Satyabhama rieben ihre Körper mit Öl ein und nahmen ein schönes Bad. Und auch wir nehmen heute ein Bad, ein Ölbad im Allgemeinen. Dies wird als sehr glücksverheißend angesehen. Jeder wird heute ein Ölbad nehmen, vornehmlich in den frühen Morgenstunden. Das ist die Besonderheit von Naraka Chaturdashi. Um den Sieg über Narakasura, diesen großen Dämonen, der auch für die Götter ein Schrecken war, zu zelebrieren, verehrten sie die Göttin des Wohlstands. Es wurde also von Krishna und Satyabhama höchstpersönlich ein Lakshmi Puja abgehalten. Es war ein wundervolles Fest. Sie entzündeten überall in Dwarka Lampen. Musikinstrumente erklangen und die Menschen tanzten in Ekstase, dass der Parijata Baum aus dem Reich der Götter geholt wurde. Und natürlich auch, weil der Dämon vernichtet wurde. Sie erreichten zwei große Siege in einem einzigen Abenteuer.

Also diese große Gala, dieses große Fest, diese wundervolle Feier wurde in Dwarka beobachtet, mit einer Lakshmi Puja als Vollendung, und in den Puranas festgehalten. Es wird in mehreren Puranas erwähnt, mit unterschiedlichen Details. Und auch, wenn die Erzählung von Krishna und Narakasura der verbreitetste historische Hintergrund für die Beobachtung des Naraka Chaturdashi mit seinen Ölbädern und der Vollführung von Dhana Lakshmi, Dhyana Lakshmi und eines Saubhagya Lakshmi Puja ist, verbinden die Menschen doch verschiedene Erzählungen mit diesem Fest. Wie zum Beispiel Dussehra. Was ist Dussehra? Manche Leute sagen, dass dies das Ereignis der Tötung Ravanas durch Rama ist. Andere sagen, dass es das Ereignis der Tötung der Dämonen Shumbha und Nishumbha durch Saraswati – Durga, Lakshmi, Saraswati ist. Es wird auch gesagt, dass hier die Götter die Asuras besiegt haben. Daher werden unterschiedliche Geschichten zu diesem Fest erzählt. Die Erzählung, in der Krishna Narakasura stürzt und den Parijata Baum aus dem Himmel bringt ist jedoch wohl die bekannteste und herausragendste.

Ich möchte noch eine amüsante Verzweigung der Parijata Geschichte ergänzen. Sie ist nicht mit Dipavali verknüpft aber natürlich trotzdem sehr interessant. Krishna war ein schelmischer Mensch – und nicht so einfach, wie die Menschen sich ihn vorstellen. Er brachte den Parijata Baum aus Indras Himmelsreich, da ihn Satyabhama sonst wohl nie in Frieden gelassen hätte. Er sprach: „Ich habe ihn gebracht, nun werde ich ihn in Deinen Garten pflanzen.“ Und Krishna pflanzte den Baum in eine Ecke von Satyabhamas Garten – aber so, dass er nur Blüten in den Garten von Rukmini trieb [Gelächter aus dem Publikum]. Der Baum wurde verdreht und zwar so [Swamiji gestikuliert mit seinen Armen] und so fielen alle Blüten in den Garten von Rukimini. Satyabhama konnte sich nur brüsten, dass der Baum in ihrem Garten wuchs. „Der Baum ist mein, er wächst in meinem Garten. Aber sie bekommt alle Blüten!“ So fluchte sie. „Was soll das? Ich besitze die Pflanze, aber die Blüten sind ihre!“ Das war ein kleiner schelmischer Streich von Krishna. Wunderbar! Vielschichtig, so war sein Leben.

Also Dipavali ist ein Fest des Lichts, es ist eine Feier des Anwachsens des Wissens und auch ein Feier des Sieges der sattvigen, göttlichen Elemente in uns über die rajassigen und tamassigen bzw. niederen Elemente, die die wahren Asuras, die Rakshasas, Narakasura sind. Die ganze Welt ist in uns. Der ganze Kosmos kann in mikroskopischer Form in unseren Körpern gefunden werden. Ram-Ravan yudh und Narakasura – all dies ist in uns.

Dieses Dipavali ist also auch ein psychologischer Kontext, in dem wir nachsinnen über unser Selbst, den heiligen Grund der Selbstbeherrschung, Selbstbezwingung, Selbstverzicht und all der spirituellen Tugenden, die als rühmlich betrachtet werden – so als wären sie Licht, das aus der Kenntnis des Selbst strömt. Die große Lakshmi, die Göttin des Wohlstandes, ist für uns nicht nur Göttin des Wohlstandes im materiellen Sinn. Lakshmi bedeutet nicht nur Gold und Silber. Lakshmi bedeutet Wohlstand im Allgemeinen, positives Wachstum in die richtige Richtung, den Aufstieg in höhere Stufen der Evolution. Dies ist das Erscheinen von Lakshmi. Fortschritt und Wohlstand sind Lakshmi. Im Vishnu Purana wird gesagt dass, wenn Narayana wie die Sonne ist, Lakshmi wie die Strahlen der Sonne ist; sie sind untrennbar. Wo auch immer Narayana ist, da ist Lakshmi; wo auch immer Göttlichkeit ist, ist Wohlstand. Damit ist dies auch die Verehrung von Krishna, die Verehrung von Narayana, die Verehrung Gottes, der Quelle aller erdenklichen Tugenden, Güte und Wohlstand, symbolisiert durch Erleuchtung, Licht, Verehrung in Form eines Arati und einer warmen, vergnügten Haltung und Gefühlen in jeder Hinsicht. Kurz gesagt, an diesem Tag frohlocken wir über den Sieg von Sattva über die niederen Gunas – der Sieg Gottes über die bindenden Fesseln der Seele.

Gottes Segen möge über euch allen sein zu diesem heiligen Fest des Dipavali, dem Fest der Ketten aus Licht – dipa avali. Avali ist eine Reihe, eine Kette. Wo auch immer Ihr in Indien geht, Ihr werdet Reihen und Ketten von Licht und Lichtern finden. Krishna Bhagavan ki jai!

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